Kleber und Klebstoff Beratung

Dachhimmel – Türverkleidung – Armaturenbrett – Hutablagen

Dachhimmel als Reparatur kleben

Diese klebtechnische Anwendung ist sehr häufig anzutreffen und ebenso vielfältig in der Ausgestaltung.

Welche Problematiken sind hier überwiegend anzutreffen?

Der alte Dachhimmel hat sich teilweise oder komplett vom Untergrund gelöst. Im Laufe der Jahrzehnte hat die Kfz-Industrie eine enorme Vielzahl an unterschiedlichen Arten und Ausstattungen auf den Markt gebracht. Es wurden diverse Trägermaterialien, Zwischenschichten und Deckschichten verbaut. Je nach Ausstattungsqualität eines Fahrzeugtyps kann der Aufbau des sog. Fertighimmel und die Dekorseite unterschiedlich sein. Selten wird eine dekorative Deckschicht direkt auf das Blech des Fahrzeuges geklebt. Üblich ist die Verwendung von unterschiedlichen Trägermaterialien. Der Aufbau eines Fertighimmels erfolgt meist so: Eine dreidimensional vorgeformte Plattenware (div. Materialien) wird mit einer Zwischenlage aus Schaumstoff und einer meist textilen Deckschicht kaschiert. Diese Deckschichten werden bereits beim Textilhersteller großtechnisch mit einer wenigen Millimeter dicken Schaumstofflage versehen. Die Zulieferfirmen, Hersteller von Innenausstattungen der Fahrzeugindustrie, kaschieren dieses Material auf die Trägerschichten.

Die auf das Textil aufkaschierte Schaumschicht bildet im Alterungsprozess meist die Schwachstelle eines solchen Himmelaufbaus. Diese Schaumstoffe zersetzen sich oft, sie bröseln ab und der Stoff löst sich. Dies kann partiell oder vollflächig erfolgen.

Bei der Renovierung eines solchen Himmelelements, egal ob partiell oder komplett, muss darauf geachtet werden, dass der verwendete Klebstoff folgende Eigenschaft erfüllt.

  • Sehr hohe Wärmefestigkeit > +100 °C
  • Beständigkeit gegen Weichmachermigration aus den verwendeten Kunststoffmaterialien (PVC-weich, Kunstleder, weichmacherhaltige Kunststoff-folien, Schäume und Textilien)
  • Beständigkeit gegen Kondenswasser, also feucht- und wasserfester Kleber

Da derartige Klebungen auf den verformten Untergründen auch über Kopf erfolgen, werden hierfür geeignete Kontaktklebstoffe verwendet. Das Angebot an Kontaktklebstoffen ist sehr groß, überwiegend auf Rohstoffbasis CR (Polychloroprene) und auch auf Basis SBS (Styrol-Butadien-Styrol), SBR (Styrol-Butadien-Rubber) sowie Naturkautschuk. Diese Kontaktklebstoffe erbringen in der Regel nicht die benötigte Wärmefestigkeit, Weichmacherbeständigkeit und sind auch nicht stabil gegen Kondenswasser. Vom Einsatz eines Klebstoffes aus Spraydosen wird eindringlich abgeraten. Die für Spraydosen geeigneten Rohstoffe erbringen nicht die geforderten Werte, auch nicht wenn auf der Dose wärmefest angegeben ist.

Die Hersteller von Kfz-Himmeln und gewerbliche Betriebe, welche solche reparieren bzw. renovieren, verarbeiten hier nur Klebstoffe auf Basis PUR denen ein abgestimmter Vernetzer (auch Härter genannt) beigemischt werden kann um die o.g. Eigenschaften zu erfüllen. Einige Klebstoffe erreichen unter Zugabe eines abgestimmten Vernetzers bzw. Härters sogar Wärmefestigkeiten bis zu +130 °C. Durch die Zugabe eines Vernetzers entsteht eine sog. Topfzeit (die Zeit in der die Mischung verarbeitet sein muss). Einige dieser Klebstoffe sind innerhalb der Topfzeit wärmeaktivierbar. Dies hat folgenden Vorteil: Es ist möglich bei der Verarbeitung auftretende fehlerhaft geklebte Bereiche, oder falls die offene Zeit/Kontaktklebezeit überschritten wurde, die mit Klebstoff versehenen Bereiche mittels Heißluftgebläse oder IR-Strahler zu erwärmen. Der Klebstofffilm wird weich und eine Klebung kann jetzt noch ausgeführt bzw. korrigiert werden. Achtung! Nach Ablauf der Topfzeit ist eine Wärmeaktivierung nicht mehr möglich. Die Vernetzung ist dann soweit fortgeschritten oder abgeschlossen, dass die gewünschte Wärmefestigkeit erreicht wird.

Bei der Durchführung von Klebungen im Spritzverfahren ist darauf zu achten, dass die entstehenden Spritznebel (Aerosole) sorgfältig abgesaugt werden. Ein Spritz- oder Sprühauftrag kann ein ungewünschtes, sog. Overspray bewirken (Klebstoff lässt sich an Stellen nieder wo keiner erwünscht ist). Auch bei einem Auftrag mittels Pinsel oder Rakel muss auf eine sorgfältige Be- und Entlüftung geachtet werden.

Wegen der zeitlich eingeschränkten offenen Zeit (Verarbeitungszeit/Kontaktklebezeit) erfolgt bei Reparaturen ein sog. Streifenauftrag, z. B. in 5 – 10 cm Breite. Diese beidseitig* mit Klebstoff beschichteten Bereiche werden dann sorgsam angedrückt. Danach wird der nächste Streifen beidseitig eingestrichen usw.

beidseitig* bedeutet, beide Klebflächen Träger und neue bzw. Schaumflächen müssen mit Klebstoff eingestrichen werden.

In diversen Foren werden als verwendete Kontaktklebstoffe genannt:

Speziell für Dachhimmel und Armaturenbretter
swift®col 2142 spritzfähig mit 5 % GWT* swift®hardener 9515.
technicoll® 8044 Plus streichfähig mit 5 % GWT* Vernetzer technicoll® 8355, kann auch spritzfähig verdünnt werden.
swift®col 2146 spritzfähig mit 10 % GWT* swift®hardener 9515.
Helmipur 15142/2 spritzfähig mit Härter.
Helmipur 15141/1 streichfähig mit Härter.
helmitin 15146 spritzfähig mit 10 % GWT* helmitin 49631.

(GWT* ist Gewichtsteile, im Gegensatz zu Vol.T. ist Volumenteile)

Speziell für sonstige Innenausstattungen mit guter Wärmefestigkeit, jedoch nicht beständig gegen Weichmacher, z. B. Textilien und Teppiche auf div. Untergründe bei Tür- und anderen Seitenverkleidungen, Hutablagen, Kofferraum und Laderaumausstattung (Transporter) und Caravan bzw. Wohnmobile.
swift®col 2100,
technicoll® 8044 ohne Vernetzer,
technicoll® 9101
swift®col 2100 ohne Vernetzer,
SikaSence 8400/31 Basis CR,
SikaSence 8400/36 Basis CR

Häufig anzutreffende Materialien.

Übliche Kaschiermaterialien:

Folien aus PVC-weich, Kunstleder, PUR-Folien, Textilien, Leder, Alcantara, Teppich auf Trägermaterialien aus Thermoplastischen verformten Flächen, mit Formteilen aus mit Harzen getränkten Textilien / Hölzern und anderen Fasern wie Kokosmatten, Sisal u. a. (häufig Recyclingmaterialien) u. v. m. sowie duroplastische faserverstärkte Platten (GFK) oder lackierte Bleche bzw. Holzwerkstoffe.

Klebstoffe hierzu:

Kontaktklebstoffe auf Basis PUR mit Vernetzer bei weichmacherhaltigen Kunststoffen und bei hohen Wärmebelastungen über +100 °C (Sonneneinstrahlung durch Kfz-Scheiben).
z. B. technicoll® 8044 Plus, swift®col 2142 mit Vernetzer,
Bei Klebungen/Kaschierungen auf stark dreidimensional verformten Teilen, wird wegen der evtl. vorkommenden Rückstellkräfte der Einsatz eines Klebsystems mit Vernetzer angeraten.
Kontaktklebstoffe auf Basis PUR (Polyurethan) ohne Vernetzer oder auf Basis CR (Polychloroprene, im Sprachgebrauch auch Neoprene®), beim Einsatz von Materialien welche keine Weichmacher enthalten oder bei Temperaturbelastungen auf die Klebung deutlich unter +80 °C.
z. B. technicoll® 8044, swift®col 2142, SikaSence 8400/31, technicoll® 9101
Beratungsgespräche mit kompetenten Klebstofflieferanten werden vor einer Klebstoffauswahl immer empfohlen.


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